Inhalt - Beschaffungsstrategie

Beschaffungsstrategie

Der Schweizer Erdgas-Markt zeichnet sich durch einige Besonderheiten aus:

  • Kaum inländische Gasvorkommen
  • Spezifische Topographie
  • Einbettung in dichtes europäisches Netz
  • Ausgeprägte Temperaturschwankungen

Die Erdgas-Beschaffungsstrategie der Schweiz stützt sich auf folgende Elemente ab:

  • Bezug des Erdgases zu zwei Dritteln aus der Förderung in Westeuropa
  • Bündelung der Nachfrage für den Einkauf in grossen, diversifizierten Mengen
  • Langfristige Verträge mit mehreren bewährten und renommierten Lieferanten
  • Kurzfristige Beschaffung am Spotmarkt
  • Geografische Diversifikation
  • Zeitlich gestaffelte und laufende Erneuerung der Bezugsverträge

Bündelung der Nachfrage (Pooling)

Die rund 100 lokalen Erdgas-Versorger der Schweiz beschaffen ihr Erdgas über die Regionalgesellschaften. Diese sind Besitzer von Swissgas, welche rund drei Viertel des Schweizer Bedarfs zusammenfasst und so dank grösseren Mengen zu günstigeren Preisen beschaffen kann. Im internationalen Vergleich ist die Schweiz ein kleiner Bezüger: Der Bedarf beträgt weniger als 1 Prozent des Bedarfs in der EU und ist etwa so gross wie der Verbrauch in der Region Hamburg. Rund 12% des gesamten Schweizer Energiebedarfs wird durch Erdgas abgedeckt.

Langfristige Verträge und laufende Erneuerung

Swissgas hat den grössten Teil des Schweizer Bedarfs über langfristige Einkaufsverträge mit verschiedenen grossen Lieferanten in EU-Ländern gedeckt. Diese Verträge laufen in den nächsten Jahren aus und werden nun schrittweise abgelöst. Dabei wird künftig der Erdgas-Einkauf  noch breiter und flexibler abgestützt. Weniger lange Laufzeiten der Einkaufsverträge sowie ein Aufbrechen der Einkaufsmengen auf noch mehr einzelne Lieferanten und Verträge gehören ebenso dazu wie das vor einem Jahr von Swissgas eingegangene direkte Engagement in der norwegischen Erdgas-Förderung. Insgesamt werden dadurch die Einkaufsrisiken reduziert und mehr Flexibilität für das Eingehen auf Marktveränderungen geschaffen.

Wegen der grossen Bedeutung von Erdgas als Heizenergie in der Schweiz müssen die vertraglichen Erdgas-Mengen dem stark schwankenden Temperaturverlauf entsprechend genutzt werden können. Das ist am Spotmarkt nicht möglich, wo eingekaufte Erdgas-Mengen kontinuierlich quasi rund um die Uhr genutzt werden müssen. Einkaufsoptimierungen an Spotmärkten eignen sich deshalb nur ergänzend zu grösseren, so genannt strukturierten Einkaufsverträgen mit mittleren bis längeren Laufzeiten.

Geografische Diversifikation

Indem Swissgas Erdgas von mehreren grossen Erdgas-Lieferanten und -Produzenten in den umliegenden Ländern beschafft, ist das Beschaffungsportfolio geografisch viel breiter und diversifiziert. Das reduziert beträchtlich die Risiken eines Ausfalls, falls ein Land plötzlich kein Erdgas mehr liefern würde.

Kurzfristige Beschaffungsgeschäfte

Die kurzfristige Beschaffung gewinnt an Bedeutung. Heute wird ein zunehmender Anteil des importierten Erdgases auf der Basis von Spot-Geschäften beschafft. Damit kann von kurzfristigen Marktentwicklungen profitiert werden. Durch diese Entwicklung werden die langfristigen Beschaffungsverträge nicht überflüssig. Sie werden weiterhin das Rückgrat der Beschaffung im Interesse der Versorgungssicherheit bilden.

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