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  • Ausgabe 6 / November-Dezember 2011

    Erdgas als Treibstoff gab viel Gesprächsstoff

    Am 8. November fand das 7. Gasmobil-Symposium in Niederbuchsiten statt (ehemals Greenfield-Symposium). An der von FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger moderierten Veranstaltung wurden die aktuelle Situation sowie die Zukunft von Erd- und Biogas-Fahrzeugen diskutiert. Das Ziel CO2-Reduktion war unbestritten, die Meinungen über die Wege jedoch sehr unterschiedlich.

    Angeregte Pausen-Gespräche der Teilnehmer.
    Angeregte Pausen-Gespräche der Teilnehmer.

    Angeregte Pausen-Gespräche der Teilnehmer.

    Moderator Filippo Leutenegger (zweiter von links) hakt mit Fragen nach.
    Moderator Filippo Leutenegger (zweiter von links) hakt mit Fragen nach.

    Moderator Filippo Leutenegger (zweiter von links) hakt mit Fragen nach.

    Markante Erdgas-Präsenz vor dem Konferenz-Saal.
    Markante Erdgas-Präsenz vor dem Konferenz-Saal.

    Markante Erdgas-Präsenz vor dem Konferenz-Saal. Bilder Laurent Wettstein

    Gegen 240 Teilnehmende aus der Erdgas-Wirtschaft, von Energieversorgern, Flottenbetreibern, Fahrzeugimporteuren, der Erdölindustrie sowie aus Forschung, Verwaltung und Politik lauschten den Vorträgen und den Podiumsgesprächen. In diesen wurde mehrmals betont, dass Erdgas/Biogas als Treibstoff nicht nur einen um 20 bis 30 Prozent geringeren CO2-Ausstoss als Benzin und Diesel sowie generell tiefere Schadstoffemissionen verursacht und deshalb nicht nur ökologischer ist, sondern auch finanziell interessanter.

    Erdgas-Lastwagen mit Gewichts-Nachteil

    Für Tarcis Berberat, den Verkaufsdirektor von Renault Trucks Schweiz, ist das durch die Gastanks bedingte höhere Gewicht der mit Erdgas betriebenen Lastwagen ein grosser Nachteil. Dies reduziert das höchste mögliche Ladegewicht. Auch die geringere Reichweite ist ein limitierender Faktor. Nichtsdestotrotz erwarb Coop fünf Erdgas-Lastwagen, die im Verkaufsgebiet von Zürich unterwegs sind. In erster Linie seien es aber staatsnahe Unternehmen, die auf Gasfahrzeuge setzen und den ökologischen Vorteil höher als den um rund 20% höheren Anschaffungspreis gewichten. Für viele privatwirtschaftliche Unternehmungen seien die Gasfahrzeuge in der Anschaffung jedoch zu teuer. Das Erdgas-Tankstellennetz mit zurzeit 131 Stationen erachtet Berberat als gut, doch lässt er erkennen, dass die Anzahl weiter wachsen muss. Ein Ärgernis ist für ihn, dass es noch keine einheitliche Tankkarte gibt.

    Der gleichen Meinung ist sein Nachredner, Michael Jutzi von DHL Express Schweiz. Er weist darauf hin, dass gasbetriebene Fahrzeuge öfter betankt werden müssen. Dieser höhere Zeitaufwand darf bei der Berechnung der Betriebskosten nicht vergessen werden. DHL setzt jedoch aus Imagegründen auf gasbetriebene Fahrzeuge und plant, die Flotte zu erweitern. Jutzi wünscht sich möglichst bald eine einheitliche Tankkarte, damit den DHL-Fahrern nicht mehr Bargeld mitgegeben werden muss. Walter Lange, Geschäftsführer von gasmobil, hofft im zweiten Semester 2012 eine solche Tankkarte präsentieren zu können.

    Franz Häfliger von Iveco weist auf die regelmässigen Verschärfungen der Abgasnormen hin, das heisst auf Euro 6. Diese neue Norm hat als Hauptziele eine Reduktion des CO2 und des Feinstaubes.

    Der Vertreter von Scania, Gerhard Waser, stellt die Vorzüge seiner LKW-Palette in den Vordergrund und weist auf die Modularität der Komponenten hin, was der Hauptunterschied zu der Konkurrenz sei.

    Kleinere Motoren mit mehr Wirkungsgrad

    Professor Lino Guzzella von der ETH Zürich zeigt auf, dass die Schweiz nur ein kleines Rädchen im weltweiten Energieverbrauch ist. Die ärmeren Länder verbrauchen vermehrt Energie und erhöhen ihre Anzahl an Fahrzeugen, so dass die Schweiz alleine nichts ausrichten kann. Es braucht eine weltweite Vereinbarung, um den CO2-Ausstoss so einzugrenzen, dass eine Klimaerwärmung nicht mehr als zwei Grad erreicht. Das Problem des CO2 ist gemäss Guzzella viel höher einzustufen als jenes der Vorräte an Ressourcen.

    Einer seiner Lösungsansätze sind kleinere Verbrennungsmotoren mit einem höheren Wirkungsgrad und somit einem geringeren Energieverbrauch. Er glaubt, dass der Einsatz von Dieselmotoren künftig wieder rückläufig sein wird.

    Wichtig sei eine Entkoppelung zwischen dem Erdöl- und Erdgas-Preis, da die Vorräte an Erdgas bedeutend höher eingeschätzt werden und der Preis somit tiefer sein sollte.

    Erdgas ideal als Brenn- und Treibstoff

    Gemäss Hans Wach, dem Geschäftsleiter der Gasverbund Mittelland AG (GVM), wird sich der Erdgas-Preis dank dem grossen Erdgas-Angebot vom Erdölpreis längerfristig ablösen, aber kaum komplett abkoppeln. Er nimmt eine grundsätzliche Differenzierung vor: Erdöl ist gemäss Wach für die Energiegewinnung viel zu schade und sollte besser als Rohstoff eingesetzt werden. Erdgas dagegen eigne sich viel besser zur Energiegewinnung mittels Verbrennung.

    In der Schweiz hat Schiefergas (shalegas) leider einen schlechten Ruf, so Wach, obwohl hier die Technologie besser sei und bei korrekter Förderung kein Grundwasser-Problem bestehe. Energie aus Deutschland zu importieren ist für ihn keine sinnvolle Alternative, wird doch dort 43% des Stroms aus Kohlekraftwerken erzeugt und nur gerade mal 6% aus Windenergie.

    Umweltschutz schmerzt

    Professor Guzzella schliesst nicht aus, dass in der Schweiz unkonventionelles Gas gefunden werden kann. Betreffend der Methanisierung von Strom aus Windkraft sieht er das Problem bei der Speicherung der Energie. Es stehe ausser Frage, dass wir Energie sparen müssen, wir aber trotzdem in den nächsten 20 Jahren weiterhin auf fossile Energie zur Fortbewegung angewiesen sind.
    Für Guzzella sieht die Lösung der Energiepolitik folgendermassen aus:

    • Bessere Energiequellen (beispielsweise Erdgas statt Benzin)
    • Bessere Technik/Motorisierung (beispielsweise kleinere Motoren)
    • Bessere Menschen (beispielsweise Velo statt Auto)

    Alle Lösungsideen werden schmerzen, entweder finanziell oder durch eine Beeinträchtigung des Lebensstandards. Energie im Auto mitzunehmen ist mühsam, Batterien sind wegen ihres Gewichts nicht ideal.
    Autos sollten nicht mehr emotionalisiert und einzig als Transportmittel betrachtet werden, so dass kleinere und ökologisch sinnvollere Motoren in die Autos eingebaut werden. Beim Haus sind die Menschen eher bereit, Energie einzusparen, da weniger Emotionen damit verbunden sind.

    Der Waadtländer SP-Nationalrat Roger Nordmann geht in einigen Punkten mit Guzzella einig und appelliert an die Anwesenden, nicht mit der Lösungsfindung zuzuwarten. Die intelligente Mobilität soll mittels Vorschriften angestrebt werden.

    Lenkungsabgabe auf Autos

    Der Tessiner CVP-Ständerat Filippo Lombardi fordert eine Lenkungsabgabe auf den Autos, die mehr als 130 Gramm CO2 pro Kilometer ausstossen. Vor Fukushima war CO2 das Hauptproblem, danach die Atomkraft – die Politik ist sehr beeinflussbar. Die Schweiz wird die bis 2012 angestrebte zehnprozentige CO2-Reduktion voraussichtlich verfehlen. Etwa 5% wurden durch Auslandszertifiktate und rund 3% durch Massnahmen der Industrie und im Gebäudebereich beigesteuert. Doch die Emissionen der Mobilität sind ungebremst angestiegen. Die Politik ist nun gefordert die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen, um die nächsten Ziele zu erreichen.

    Matthias Maedge, der Communications & EU Affairs Manager der NGVA (Natural & bio Gas Vehicle Association, Brüssel) betont, dass der Schweizer Markt sich nach den Entscheiden von Brüssel richten muss und somit ein Alleingang schwierig ist. Politiker sollten nur erreichbare Ziele formulieren. (lw)

    Link zu den Unterlagen: http://www.erdgasfahren.ch/fileadmin/user_upload/01_News/Events/Sonstige/gasmobil_Symposium_2011/gms11_d_01.html

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