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Das System Erdgas Schweiz: Ein Erfolgsmodell

Die Schweiz ist ein sehr kleiner, auch topographisch anspruchsvoller Erdgas-Markt. Dessen ungeachtet ist die Schweizer Erdgas-Wirtschaft in der Lage, Kunden jeder Grösse Erdgas unter Gewährleistung grösstmöglicher Versorgungssicherheit zu wettbewerbsfähigen Konditionen zu beliefern.

Dies deshalb, weil die Erdgas-Versorger Beschaffung und Transport seit über drei Jahrzehnten in ein genossenschaftliches System integriert haben, das ohne margenabschöpfenden Zwischenhandel auskommt. Sämtliche Prozesse wurden so gestaltet, dass Synergien umfassend genutzt werden, ohne diejenigen Tätigkeiten zu zentralisieren, welche besser und kostengünstiger dezentral erfolgen. Selbstregulierung und Solidarität sind die wesentlichen Merkmale dieses föderalistischen Modells.

1. Beschaffung, Trading und Import: nationale Synergien ausschöpfen

Die strategische Beschaffung von Erdgas, also der Abschluss von längerfristigen Verträgen, aber auch der internationale Transport bis zur Schweizer Grenze und durch die Schweiz sind Aufgaben, die national koordiniert werden müssen, wofür die Firma Swissgas verantwortlich ist:

  • Dank langjährigen Beziehungen zu grossen europäischen Erdgas-Lieferanten und Transportrechten im Ausland ist Swissgas in der Lage, unter Bündelung der Schweizer Nachfrage vorteilhafte Verträge mit längerer Laufzeit über grosse Mengen zu vereinbaren.
  • Über Ihre Tochtergesellschaft SET koordiniert Swissgas die Beschaffung von kurzfristigen Spotmengen für die Schweizer Erdgas-Wirtschaft.
  • Über die Beteiligung an Bayerngas Norge ist Swissgas im Bereich Exploration und Förderung engagiert, auch um über das entsprechende Know-how zu verfügen.
  • Swissgas ist mehrheitliche Eigentümerin und Mit-Betreiberin der Transitgas-Leitung durch die Schweiz. Dies ist eine wichtige europäische Nord-Süd-Verbindung und bildet die Hauptschlagader des schweizerischen Erdgas-Netzes.

Als genossenschaftliche Organisation arbeitet Swissgas ohne Gewinn und stellt sich vollständig in den Dienst ihrer Kunden, der Erdgas-Versorger, die gleichzeitig (via Regionalgesellschaften) ihre Eigentümer sind.

2. Überland-Transport und Dispatching: regional effizienter

Das Portfolio-Management, die Beschaffung von zusätzlichen Erdgas-Mengen oder von Sondermengen für Grosskunden, der Betrieb des Hochdrucknetzes, der regionale Transport (inkl. Speicherung) und das Management der Gasflüsse (Dispatching), all dies übersteigt die Möglichkeiten der meisten Erdgas-Versorger. Sie haben sich deshalb zu vier Regionalgesellschaften zusammen geschlossen: Erdgas Ostschweiz, Erdgas Zentralschweiz, Gasverbund Mittelland und Gaznat. Diese verfügen nicht nur über die ausreichende Anzahl Fachspezialisten, sondern können die aufwändigen Infrastrukturen auch optimal auslasten und Investitionen im Zeitablauf besser verteilen.

So sorgen die Regionalgesellschaften dafür, dass die Erdgas-Versorger sich voll auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können.

Als nicht Profit orientierte Organisationen arbeiten die Regionalgesellschaften ohne Gewinn und stellen sich vollständig in den Dienst ihrer Kunden, der Erdgas-Versorger, die gleichzeitig ihre Eigentümer sind.

3. Verteilung und Vertrieb: Kundennähe und Flexibilität

Die über 100 lokalen Erdgas-Versorger der Schweiz betreiben ihr Verteilnetz, über das die Kunden mit Erdgas beliefert werden. Sie planen den Netzausbau, stellen die Betriebssicherheit und die Funktionalität der bestehenden Netze sicher, betreiben Marketing für das Markenprodukt Erdgas, besorgen den Vertrieb und die Abrechnung. All dies sind Aufgaben, die sinnvollerweise vor Ort wahrgenommen werden. Dies schliesst nicht aus, dass gewisse Back-Office-Funktionen gemeinsam mit Partnern wahrgenommen werden.

Darüber hinaus nutzt ein grosser Teil der Erdgas-Versorger die Synergien, die sich daraus ergeben, dass sie als Querverbundbetriebe aus einer Hand auch die Stromverteilung besorgen sowie weitere Netze wie etwa für Wasser, Abwasser, Telefonie oder TV-Kabel betreiben. Oft engagieren sie sich auch für den effizienten und umweltschonenden Energieeinsatz. Sie fördern zum Beispiel innovative Lösungen wie Wärmekraft-Kopplung, Kombination mit Sonnenkollektoren, Klimakompensation etc., ermöglichen die Einspeisung von Biogas ins Erdgas-Netz oder betreiben Energieberatungsstellen. Stets ist das Angebot auf die spezifischen Bedürfnisse vor Ort zugeschnitten.

Alle Risiken und Kosten werden letztlich von den lokalen Erdgas-Versorgern getragen, welche dafür auch alle Chancen und Erträge des Gesamtsystems nutzen, um ihre Endkunden zu optimalen Bedingungen beliefern zu können.

4. Offener Marktzugang

Die meisten Erdgas-Kunden wünschen sich Versorgungssicherheit sowie transparente und vor allem günstige Verkaufspreise ihres lokalen Erdgas-Versorgers. Der hohe technische und logistische Aufwand einer freien Wahl des Erdgas-Lieferanten und vor allem die durch zusätzliche Schnittstellen verbundenen Mehrkosten sind nicht in ihrem Interesse.

Anders hingegen sieht es bei den grossen Industriekunden aus. Diese brauchen beträchtliche Erdgas-Mengen, verfügen über eigene Energie- und Einkaufsspezialisten und sind teilweise in die internationale Beschaffungsstrategie eines Konzerns eingebunden. Diese Grosskunden möchten aus mehreren Angeboten verschiedener Lieferanten auswählen können.

Der schweizerische Gesetzgeber hat den Netzzugang vor vierzig Jahren nur sehr pauschal und rudimentär im Rohrleitungsgesetz verankert und seither mangels Bedürfnis auf eine spezifische Gesetzgebung verzichtet. Um diese Lücke zu füllen, haben die Schweizer Erdgas-Versorger auf freiwilliger Basis die erforderlichen Bestimmungen für den Netzzugang entwickelt und für die ganze Schweiz verbindlich erklärt, so dass entsprechende Netznutzungen für Drittlieferanten möglich sind und auch vereinzelt stattfinden.

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